christoph chorherr singt über die raumplanung.
er referiert über das desaster, welches die letzten jahrzehnte in unseren landen als "architektur" verkauft wurde.
er kämpft sich durch einkaufszentren, hotels und lifte,
er schimpft über betonierte gewerbegebiete und schüttet seinen sarkasmus über jene, die diese katsastrophe für persönliche gewinnoptimierung nutzen.
(Details hier)
was soll ich sagen: RECHT HAT ER!!!!
wäre ich aber dasBeobachter, wenn ich nicht das beobachten würde?
so beginnt der chorherrgesang mit den sechzigern. - weil da geboren...
erzählt von den sünden die damals verbrochen und vergisst, wie klein er damals war.
ich habe aber leider umsonst gewartet,
dass er erzählt,
von den verbrecherischen wohnsilos,
von den schulen, welche alleine durch ihre, im gleichschritt gezogene und als billigprodukt erstellte architektur sogar die bildung industrialisierte.
das kind als standardisierter konsumempfänger.
das olympische dorf strahlt über innsbruck und man versucht es heute mit ein paar farbtupfern zu tarnen.
ich kenn' die leute, die aus diesen häusern kommen, ich kenn ihre probleme und sorgen.
der gleichschritt und die farblosigkeit, das billige und das industrielle hat auf diese menschen abgefärbt und bestimmt unbewusst deren leben.
christoph, du hast recht. - die verbrechen von medialen und möbeligen märkten, von konsum- und fremdenverkehrszentren prägen unser graues bild.
aber ist es nicht unsere kindheit, welche es uns erst ermöglicht, die welt bunter und positiver zu sehen?
sind es nicht die wohnhäuser und die bildungsstätten, die als erstes auf unsere psyche abfärben?
färbt das bauwerk nicht auch die seele des lehrers grau, der diese farblosigkeit an seine schützlinge weitergibt?
spürt nicht das kind den platzmangel und sucht sich als jugendlicher platz für seinen geist?
finden sie sich nicht in den hinterhöfen wieder, weil kein kostenloser platz für sie vorhanden ist?
ist nicht dieses verbrechen erst grundlage, dass die konsumglaspaläste erst als solches anerkannt und angenommen werden?
sind die leute von heute nicht das exakte ebenbild jener gebäude, in denen sie aufgewachsen, gelernt und gelebt haben?
hast du den fachleuten nicht die größten sünden in deinem vortrag vorenthalten?
(anm.: ich habe keinen blassen schimmer, wo du schule gegangen bist, aber ich tippe auf ein alt - ehrwürdiges gymnasium, nicht auf einen industriebau der post 50er.)
die raumplaner
die menschen die hier deinen vortrag genossen haben,
haben sie auch deine botschaft vernommen?
du hast in deinem vortrag diese antwort vorweggenommen, als du über die seilbahn referiertest und trotzdem hast du selbst nicht erkannt, dass dies die grundlage für die erreichbarkeit des vortrages entscheidend war...
upton sinclairs faustregel:
"Es ist schwer, einen Mann dazu zu bewegen, etwas zu verstehen, wenn die Höhe seines Einkommens davon abhängt, dass er es nicht versteht."
ist es das bedürfniss des raumplaners, differenzierte bunte welt zu schaffen, oder ist raumplanung nicht nur ein teil der politik, welche egozentrische realitätskonstruktion bedeutet?
warum sollten kostenintensive, zukunftsorientierte projekte geschaffen werden, wenn das ziel daraus besteht, die nächste legislaturperiode zu erreichen?
warum sollte man überhaupt etwas säen, was der politische nachfolger ernten könnte?
haben die genannten wünsche, wie der blick aus ferner zukunft auf unsere kultur, überhaupt in ihren entscheidungen relevanz?
raumplaner hängen ab von ihren auftraggebern, raumplaner sind menschen.
aber raumplaner sind auch eltern.
diese tatsache vergessen sie oft gerne, wenn sie in politischen arbeitsbedingungen über die gestalt unserer zukunft sinnieren und nicht bemerken, dass dies auch die zukunft ihrer kinder bedeutet.
je größer das einkommen, je größer der einfluss, desto mehr tendiert man nicht zu erkennen, dass auch die eigene heile welt stark von den vorgängen "ausserhalb" abhängt.
vielleicht sollte man nie vergessen, mit welchen menschen wir kommunizieren. - zu oft erinnern wir uns nur, mit welche kompetenzen uns zuhören...
Freitag, 18. Juni 2010
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