Samstag, 12. Mai 2012

Lebensgrundlagen...

präambel: in diesem artikel gehe ich, wie in vielen meiner einträge, primär auf extreme ein. die natur kennt aber kein schwarz und kein weiß, daher zeigt sich in der praxis fast ausschließlich die mischform...

teilen wir mal identität grob in zwei teile...
der kollektiven identität.
der individuellen identität.

die existenz / der organismus ergibt sich aus der kombination dieser beiden identitäten.
das individuum, wächst mit der verfügbarkeit der information und produziert individuelle identität durch die eigenständige verarbeitung.
mit laufendem alter dominiert selektion, welche aus dieser erfahrung und verarbeitung entsteht.
selektion löst aber gleichzeitig einen eigendynamischen prozess aus, welcher verhindert, dass dem weltbild konträre information ausgefiltert wird.

bewusstes kritisches denken steht dieser spirale entgegen und erlaubt die veränderung des fokus.
diese veränderung ist aber nur im zusammenhang mit verfügbarkeit der information möglich.

ähnlich der philosophie des zimmermannsohnes vor 2000 jahren: der erhalt der information schafft die eigenverantwortung. fehlende information behindert das individuum.

"cogito ergo sum" - ich denke, also bin ich.
wie bereits in einem vorigem blog erklärt, hat hier der große meister ein kleines detail übersehen: die erinnerung.
denken allein ist ein rechenprozess, nur bewusste erinnerung schafft die identität.
"ich denke und ich erinnere mich, also bin ich".

identität entspricht also der selektion und interpretation von empirik.

selbstwertgefühl schafft starke individuelle identität. die basis für die weiterentwicklung des individuums, aber auch gleichzeitig die gefahr der isolation: narzissmus, egoismus und gier grenzen aus.
die folge: der egoist gerät in eine spirale aus isolation und zwangsbeglückung anderer, wobei der zwang auf die umwelt den anderen gegenüber die isolation erhöht.
die isolation des egoisten zerstört unterbewusst sein selbstbewusstsein. - übermäßige eigenliebe stellt sich am ende immer als selbstzerstörerisch heraus. es benötigt blos ein initiales versagenserlebnis, um aus dem narzisten einen verkappten angsthasen zu machen. - auch wenn er seine maske weiter trägt, indem er gelernte prozesse wiederholt... (soviel zum thema mischformen...)
die angeschlagenen egoisten finden ihr kollektiv in anderen egoisten gleicher, aber nicht konkurrierender zielsetzungen.
ein äusserst labiles verhältnis, welches ein idealer nährboden für weitere paranoia darstellt.
der kontakt zum boden geht verloren. fehlende anerkennung wird durch machtausübung und konsum kompensiert. - gerade letzteres verursacht allerdings einen ungewollten konkurenzkampf zwischen den einzelnen egoisten und führt im endstatium zu einer selbstaufgabe im wettbewerb der verschwendung.
die bedrohung des egoisten für die allgemeinheit ist enorm aber begrenzt, da der ausbeuter von den ausgebeuteten abhängt.

fehlendes selbstwertgefühl hingegen schafft eine gefährliche grundsituation:
durch die fehlende erkenntnis des eigenen wertes, kann sich nur schwach oder gar keine individuelle identität entwickeln.

selbstwertgefühl ist aber ein wichtiger bestandteil eigenständigem denkens: einfach ausgedrückt: wer seine eigenen gedanken für wertlos hält, wird diesen keine achtung schenken.

die, ansonsten verarbeitete information wird kritiklos übernommen und das eigene gedankengut verkümmert zur blaupause der impression.

dies führt im harmlosesten fall zur zerstörung des individuums.
existieren allerdings akzeptierende kollektive im einflussbereich des organismus, so wird fehlende individuelle identität durch kollektive identität kompensiert.
der sprengstoff ist komplett:

das fehlende individuelle selbstwertgefühl bestimmt das gesamtdenken. - zwar wird von aussen kollektives selbstwertgefühl suggeriert, aber die tief sitzende versagensangst verhindert die akzeptanz dieser information.
der grundlegende wunsch der zugehörigkeit stellt den entscheidenden antrieb.
dies schürt die versagensangst. der selbstwertlose entwickelt die angst, dass das kollektiv seine wertlosigkeit erkennt.
er steht in andauerndem zwang, sich selbst beweisen zu müssen...
diese angst führt auf der "unteren ebene" zur kompromisslosen übernahme der ideologie und damit zur substitution der individuellen identität durch das kollektiv.
die existenz fällt in eine totale abhängigkeit, aus welcher es, mangels alternative kein entrinnen gibt.
(anm: ein grund, warum polarisation und feindbilder für rattenfänger so lebenswichtig sind / nur viel geduld, bauchschmerzen und zuhören, kann dieser existenz ein entrinnen ermöglichen. - zeit, die man im falle eines fanatikers unter einfluss eines rattenfängers kaum hat)

die "lösung" für dieses dilemma findet das selbstwertlose ego in der relativität:
die erhöhung des selbstwertes mittels diskriminierung des anderen.
in der praxis ist dieser effekt wohl im rassismus am besten zu erkennen. die artenvielfalt der idiotie ist aber unbeschreiblich...

diese geringschätzung und diskriminierung schafft auch die grundlage für die polarisation, welche zur isolation der ratte durch die rattenfänger essentiell ist.
"Wer nicht für uns ist, ist für die Terroristen. - Und wir werden keinen Unterschied machen zwischen den Mördern und Jenen, die diese unterstützen" (G.W.B. in seiner ansprache nach 9/11)

die selbstwertlose masse wird zum willenlosen objekt selbstdenkender eliteinheiten, welche wiederum (siehe "der egoist") einem zerfall preisgegeben sind.
hauptantrieb dieses prozesses ist die angst. - eine angst vor dem versagen, vor der blosstellung...
die reaktion auf angst: erstarren, flucht oder kampf.

erstarren ist allgemein gesehen das geringste problem. frequentives erstarren führt - je nach lernfähigkeit - zur selbstzerstörung oder zum strategiewechsel.
die existenz zerstört sich selbst, wechselt die strategie oder findet einen ausweg.

flucht endet zwangsläufig in den händen eines rattenfängers.
so gesehen ist es nur eine frage der "zufälligen umgebung", ob die existenz einen potentiellen Abdelmajid oder Breivik darstellt...

der narzistische rattenfänger kennt die funktionalitäten, der selbstwertlose rattenfänger predigt seine eigene erfahrung.
beide führen also die existenz zur einzig verbleibenden alternative...

der kampf ist also schlussendlich die einzige strategie, welche dem individuum bleibt. - der egoist haltet seine potentiellen nachfolger so klein als möglich, der selbstwertlose machthaber hingegen erzieht sich unbewusst seinen konkurrenten...
die logische konsequenz bei steigendem einfluss des nachfolgers für den selbstwertlosen machthaber: die entstehende paranoia aufgrund der eigenen minderwertigkeitskomplexe stehen dem kopieren selbstwert entgegen. - erhält ein potentieller nachfolger in einer konfliktistuation nur einmal ein erfolgserlebnis, so wird durch dieses positive erlebnis der letzte rest eigenmotivation aktiviert. die folgen sind vorhersehbar.
alle fanatischen diktatoren entwickeln sich schlussendlich zu paranoiden schlächtern inmitten eines intriganten hofes, vor dessen dezimierung sie keineswegs zurückschrecken (dürfen).
diese vorgänge sind tausende jahre zurück zu verfolgen. bis hin zu einem römischen verwalter namens "König Herodes" oder den ägyptischen pharaonen.

individuelle identität ist primär der antrieb hinter der neuronalen fähigkeit des (selbst)bewusstseins und des selbstständigen denkens.

wenn aber das kollektiv aus selbstwertlosen individuen gebildet wird, verliert dieses kollektiv diese fähigkeit stück für stück im gesamten.
die idee entwickelt sich nicht mehr, sie wird festgefroren.

evolutionäre layer gehen verloren. im kollektiv beginnt es mit der verleugnung, mit bücherverbrennungen und endet im rückfall zur genetischen erinnerung an die steinzeit: krieg:

das menschliche individuum basiert in seiner tiefsten lebensgrundlage auf gentischer erinnerung.
der zweite layer, epigenetische und neuronale flexibilität ist grundlage für unsere lebensstrategie und schafft unsere identität.
der dritte großen layer entstand aus der kreativität des zweiten: die auslagerung der information, die sprache, später das geschriebene wort, war erfunden.
schlussendlich ermöglichte der vierte layer mehr als nur die speicherung von daten: technolgie ermöglicht die auslagerung von prozessen. - anfänglich arbeitsprozesse sind wir heute in der lage sogar erkenntnisprozesse auszulagern.
ein machtfaktor, der die errungenschaften vieler generationen und individuen in sich vereint.

nun entsteht im zusammenhang mit den fanatikern das schlimmste aller szenarien:
durch den verlust des selbstwertes verliert das individuum die fähigkeit des selbstständigen denkens. - der verlust des zweiten layers in kombination mit der verfügbarkeit der errungenschaften des 4. layers stellt nun wohl die kritischste aller situationen dar.
dabei ist es irrelevant, ob wir über industrie und die zerstörung der umwelt diskutieren,
oder ob wir über atomkraft bzw. -waffen sprechen: am ende hält im groben ein steinzeitmensch die macht der neuen welt in der hand.

solange die machtstruktur in den händen der narzisten bleibt, bleibt auch der schaden begrenzt - zumindest für die "eigenen leute" - denn der egoist hat "blos" sein eigenes wohlbefinden im kopf.
dies ist die situation, wie wir sie heute oft kennen. das extremum des leibeigentums oder der sklaverei wurde in der heutigen zeit glücklicherweise stark zurückgedrängt. - ebenfalls zumindest für die "eigenen leute".
egoisten entwickeln sich aber früher oder später zu fanatikern. hier ist ein labiles gleichgewicht durch die selektion des kollektivs gegeben: andere egoisten demontieren die gefahrenquelle.
solange das kollektiv in seiner macht bestehen bleibt, entsteht eine "stabile situation".
dumm, wenn, wie in der zwischenkriegszeit, ein selbstwertloser fanatiker zu macht gelangt, bzw. wenn, wie wir heute die situation haben, das system in seiner gesamtheit wackelt.

was passiert aber, wenn die selbstwertlosen an die macht kommen:
ein steinzeitlich denkender, fanatischer selbstdarsteller, der den kleinsten widerspruch als persönlichen angriff interpretiert, steht plötzlich an den schalthebeln...

in der praxis bietet sich ein bezeichnendes bild...
die "notwendigkeit" die börsen zu retten kann man genauso erkennen, wie man verständnis für den fundamentalistischen konservativismus gewinnt.

der konflikt netanyahu / ahmadinejad zeigt sich genauso in diesem bild, wie man die vorgänge im kampf zwischen industrie und umwelt wieder findet.

auch der vergleich einer le pen und eines hc strache steht hier an und zeigt die gefahrenpotentiale.

breivik stellt sich in diesem licht weniger als fanatischer einzelgänger, mehr als kalkulierte oder sogar erwünschte auswucherung dar.

aber auch harmlosere zusammenhänge sind transparenter:
die entstehung einer marionette gusenbauer im zusammenhang mit seinem kindheitstraum wird verständlich, wenn man den egoisten schüssel betrachtet.

diese abwärtsspirale, welche die entwicklung der menschheit seit jahrtausenden bremst, kann nur durchbrochen werden, wenn wir beginnen, unseren eigenen wert zu erkennen und wieder selbst zu denken.

wir müssen wieder mehr eigenverantwortung entwickeln. dafür benötigt man aber toleranz gegenüber anderen.

wichtig ist auch die auflösung von schachteldenken. - durch die fehlenden grenzen wird austausch gefördert und übersicht geschaffen. durch das fehlende kollektiv kann sich der selbstwertlose nicht hinter einer gruppe (partei/staat) verstecken, sondern muss auf eigenen beinen stehen bleiben.

information muss frei und die vielfalt erhöht werden.

wir müssen wieder lernen, veränderung als kalkulierbares risiko zu akzeptieren, anstatt "anders" als bedrohung zu sehen.

das wichtigste aber:
wir müssen beginnen, entscheidungsträger persönlich zu betrachten, um so ihre versuche zu vereiteln, sich hinter dem kollektiv zu verstecken oder dies als schutzschild zu verwenden. - egal, ob sich die missetäter hinter parteien, ethnien oder nationen verstecken versuchen...


eigenverantwortung ist der todesstoß eines jeden selbstwertlosen machthabers. und gleichzeitig nimmt man den egoisten ihr bedrohungsbild...

einstein meinte einmal: "Die Majorität der Dummen ist unüberwindbar und für alle Zeiten gesichert. Der Schrecken ihrer Tyrannei ist indessen gemildert durch Mangel an Konsequenz."
vielleicht habe ich nur lang und breit diesen spruch bestätigt, oder ich habe einen weg aufgezeigen können, wie man dieses festgeschriebene gesetz doch durchbricht.

man benötigt 10 jahre um terror zu schaffen und 100 jahre um die folgen zu mildern.
aber alleine die tatsache, dass die dummen seit jahrtausenden um ihre macht kämpfen müssen zeigt, dass unter der oberfläche eine natürliche selbstregulierung läuft, welche die absolute dominanz der dummheit vehindert: evolution.

alleine deshalb sollten wir wieder unseren platz in dieser einnehmen, und die geschenke der evolution zu unserem wohl nutzen: kooperation und des individuums.

am ende nützt dem steinzeitmenschen weder waffe noch geld, denn "a fool with a tool - is just a fool".