unsere vorstellung von vernunft ist "emotionslos zu entscheiden und zu handeln". denn emotionen verursachen fehlentscheidungen.
das "bauchgefühl" ist verpönt es lebe der klare gedanke.
so zumindest die theorie und die fassade, die uns heute entgegenstrahlt, vom seriösen wissenschaftler bis hin zum milde lächelnden politiker.
leute die sich für dinge begeistern können hingegen sind verpönt: sie sind "träumer" "realitätsfremd" oder sogar "fanatiker".
entscheidungen, die aus liebe getroffen werden, sind "dumm".
das leben wird am reißbrett geplant, spontanität gilt als fahrlässigkeit.
unser gehirn...
die merkfähigkeit und die intensität der verarbeitung von prozessen steht in direktem zusammenhang mit emotion: je höher die emotion, desto prägender der gedanke und desto stärker die erinnerung.
also kann effektives denken nur auf emotionen beruhen.
rationales denken ist also blos ein effekt; und die annahme, dass dies emotionslos erfolgen würde, ein trugbild.
eine eigenschaft, die in unserem gesellschafts- und bildungssystem völlig ignoriert wird.
kinder sitzen fein sortiert reihenweise und still in der schule.
lehrer tragen trocken den "für das leben wichtigen" lernstoff vor.
die folge: der durchzugseffekt: "beim einen ohr rein, beim andern raus".
erst, wenn der lehrer zornig wird, wenn die schularbeit naht, konsequenz droht, steigt die emotion: angst.
diese angst bewirkt, dass das gelernte "kleben bleibt".
an diese angst und deren "erfolg" erinnert sich jeder.
und konservative erzieher sehen sich in ihrer meinung bestätigt:
von "faulpelzen" ist die rede, von "konzentrationsstörungen" oder nur von "schlechter erziehung ohne disziplin".
angst entwickelt sich zur einzigen akzeptierten emotion.
die folge?
die erinnerung ist zwar eingeprägt, aber das fähnchen an der erinnerung ist mit "negativ" beschriftet.
aus "will" oder "darf" wird "muss".
der fehlschluss, dass der mensch vom grundprinzip her faul ist und angetrieben werden muss, etabliert sich."the struggle of life" scheint die rationale erklärung dafür.
die symptome sind sehr gut erkennbar:
das beginnt mit dem gehassten montag, der einstellung zur schule,
zeigt sich im konflikt zwischen chef und angestelltem (also jene leute, eigentlich zusammenarbeiten sollten)
am "antreiben" der untergebenen und die damit verbundene "fahrradmentalität" (nach vorne streben und nach unten treten)
gewerkschaften verlangen mehr urlaub mehr freizeit, frühere pensionen, unternehmer fordern das gegenteil.
jeder strebt danach, die pension zu erreichen, und "nicht mehr arbeiten zu müssen".
den kindern zeigt man hingegen, wie froh man ist, "nicht mehr lernen zu müssen".
Such dir eine Arbeit, die du gerne tust. Dann brauchst du keinen Tag in deinem Leben mehr zu schuften. (Konfuzius)oder auch:
Der Weg ist das Ziel (ebenfalls)Auch bereits Heraklit konnte seine Weisheit dazu beitragen:
Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen.wir haben tausende jahre genau das gegenteil gemacht.
wir trennen spaß und leistung. - wir haben uns entschieden, produktivität vom leben zu trennen. die klassifizierung in "leistungsperiode" und "leben genießen" durchdringt unser ganzes leben. - schlussendlich warten wir auf die pension, um diesem irrsinn zu entgehen.
und während wir auf darauf warten, versäumen wir das leben.
wenn wir dann die pension antreten, trifft uns die "erkenntnis", unnütz geworden zu sein und anstatt gelebt, gewartet zu haben.
"das leben zu genießen" - worauf wir die ganze zeit gewartet haben - haben wir versäumt.
der pensionschock mit anschließendem physischen oder/und psychischen zusammenbruch ist die folge...
jedes kleinkind ist wissbegierig und möchte seinen teil in der gemeinschaft beitragen, will nützlich und anerkannt sein.
es ist ein hartes stück erziehung, dem kind diese eigenschaften alle auszutreiben.
allerdings gibt es noch eine weit schlimmere folge dieser angsterziehung:
man geht, wohin man schaut.
der fokus in unserer gesellschaft wird in eine richtung gedrängt. - angefangen vom CSI spam bis hin zur tatsache, dass liebe immer mit intrige oder gewalt verknüpft wird.
der schmerz wird visualisiert, fokusiert und auf's podium gestellt.
die begründung: "der mensch interessiert sich nur dafür" - "bad news are good news".
neuronale netzwerke funktionieren nach dem grundprinzip: "use it or lose it". - die konsequenz: die selbsterfüllende prophezeiung oder "die geister die ich rief, werd' ich nicht mehr los".
kein wunder, dass sich die menschheit in kriegen verzettelt und aus dem gewaltsystem nicht herauskommt und ihre lebensgrundlage zerstört.
vielleicht mal eine überlegung wert, wenn man das nächste mal die weltpolitik kommentiert, oder in erwartungsgehaltener eifersucht zergeht, oder prognosen erstellt.
ein email an einen fernsehsender:
warum gibt es eigentlich eine rubrik wetter und sport, aber niemals die rubrik "good news"?
die antwort war ernüchternd: "es gibt zu wenig gute nachrichten".
fakt, oder fokus???? - was glaubt ihr?
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